Grafschafter Geschichten


De witte Jüffer

In manchen Nächten kann man in der Burg Bentheim einer geheimnisvollen Gestalt begegnen. Sie trägt ein Gewand so weiß wie Schnee. Ihr Kopf ist von einer dunklen Haube bedeckt. An der Seite hängt ein schweres Schlüsselbund. 

 

Erst nach Mitternacht kann man ihr begegnen, wenn sie mit gemessenen Schritten die Räume der Burg durchwandelt. Sie wird die "witte Jüffer" genannt. Das bedeutet "weiße Frau". Man sagt, eine schwere Schuld laste auf ihren Schultern. Deshalb müsse sie bis in alle Ewigkeit des Nachts umherziehen. Tagsüber liege sie in einem Grab in der reformierten Kirche, dessen Stelle jedoch niemand genau kennt. In der Nacht steige sie aus dem Grab und ziehe durch eine der alten Stiegen zur Burg.

   

Wer ihr begegnet, darf ihr nicht ins Gesicht sehen, denn dann wird er selber weiß und ist dem Tode verfallen. Wer ihr den Weg versperrt, der erhält einen Schlag mit dem Schlüsselbund. Wer ihr nicht ausweichen kann, der sollte sich sofort ein Taschentuch so um die Hand schlingen, dass alle vier Zipfel nach vorn zeigen. Dann ergreift die witte Jüffer die Zipfel, die hinterher große Brandstellen aufweisen. Dem Besitzer des Tuches geschieht jedoch nichts.

   

Es wird berichtet, die "witte Jüffer" sei der Geist einer jungen Gräfin aus dem Hause Bentheim - Tecklenburg. Sie habe den Namen Emmi getragen. Andere wiederum meinen, es handele sich um die Gräfin Sophie von Bentheim. Sie zog einst mit den Kreuzfahrern nach Jerusalem. Dort soll sie im Jahr 1176 gestorben sein.