Grafschafter Geschichten


Das Teufelsohrkissen - Die Sage von der Entstehung der Burg Bentheim

Vor langer Zeit gab es in Bentheim einen Bauern. Er hatte zwar viel Land, aber nur ein altes, baufälliges Haus, das ihm nicht mehr gefiel. Ein neues, großes wollte er haben, am besten so groß wie die Burg eines Fürsten.

Das bemerkte der Teufel. Plötzlich stand er eines Tages in der Stube des Bauern. Er stank fürchterlich nach Pech und Schwefel. Seine Haut war ganz schwarz, mit langen Haaren besetzt. Auf dem Kopf hatte er zwei große, krumme Hörner.

Der Bauer erschrak. “Was willst du denn hier, “ stammelte er. “Ich habe gehört, dass du ein neues Haus bauen willst, so groß und schön wie eine Burg. Aber du weißt nicht, wie du es anstellen sollst, ”  erwiderte der Teufel höhnisch grinsend. “Deshalb möchte ich einen Vertrag mit dir schließen. Bis zum Sonnenaufgang setze ich dir eine Burg dort oben auf den Berg. Es wird die schönste weit und breit sein, “ fuhr er fort.

“Und was willst du dafür haben?” fragte der Bauer.

“Ich schenke sie dir,”, entgegnete der Teufel. “Ich stelle nur eine Bedingung: das erste lebende Wesen, das auf der Burg erscheint, soll mir gehören und mit mir zur Hölle fahren.” Er rechnete fest damit, dass der Bauer als erster auftauchen würde. Dieser überlegte kurz. Nach einigem Nachdenken ging er auf den Vorschlag des Teufels ein.

Genau um Mitternacht legte der Satan mit seinen Gehilfen los. Sie klopften und sägten, sie hämmerten und mauerten. Schon nach einer Stunde war der Bau fertig. Zufrieden legte sich der Teufel auf einem Felsblock in der Nähe zum Schlafen nieder.

Am frühen Morgen, noch vor Sonnenaufgang, schlich sich der Bauer aus seinem Haus zum Berg. In der Hand hielt er einen Raben, den er vor einem Jahr gefangen und gezähmt hatte. Als er die Burg sah, staunte er nicht schlecht. So ein großes und schönes Gebäude hatte er noch nie gesehen. Er beschloss, seinen Plan zu wagen.

Er ließ den Raben frei und versteckte sich unter einem Brombeerbusch. Neugierig flog der Vogel auf einen Mauersims, dann in den Hof und schließlich auf den hohen Pulverturm. Von dort ließ er ein heiseres Krächzen ertönen. Der Teufel erwachte. Als er das Geschrei des Raben hörte, wusste er, dass er hereingelegt worden war. Das erste lebende Wesen, das in der Burg auftauchte, sollte ihm gehören und nun bekam er - einen Raben. Voller Wut sprang er auf. Zu allem Unglück blieb er mit einem Ohr an einem Zacken des Felsens hängen, und das halbe Teufelsohr riss ab. Heulend vor Wut und Schmerz stob der Teufel davon.

Der Bauer wartete noch eine Weile. Dann traute er sich aus seinem Versteck und betrat die Burg, die er “Burg Bentheim” nannte und die von nun an ihm gehören sollte. Das abgerissene Teufelsohr aber wurde zu Stein. Man kann es heute noch sehen.