Grafschafter Geschichten


Das weiße Kind von Neuenhaus

Über die Wiesen rund um Neuenhaus wandert an nebligen Herbstabenden ein geheimnisvolles Wesen. Es scheint mehr zu schweben als zu gehen, und es ist aus der Ferne kaum zu erkennen. Doch wenn man der Erscheinung folgt, sieht man, dass es sich um ein junges, etwa zwölfjähriges Mädchen handelt.

Es hat lange, blonde Haare, läuft ohne Schuhe und Strümpfe umher und trägt ein schneeweißes Kleid. Um den Hals hat es ein blutverschmiertes Taschentuch gebunden, das eine tiefe, noch immer blutende  Wunde bedeckt.

Vor vielen, vielen Jahren soll einmal ein Kind von einem Soldaten, der mit einem Landknechtshaufen durch die Lande zog, grausam ermordet worden sein. Jedes Jahr im Herbst, wenn sich der Tag der Bluttat jährt, erscheint das Kind seitdem in der Nähe der Mordstelle.