Grafschafter Geschichten


Wie die Wilsumer einst eine Kirche bauten

Bevor der kluge Jan lebte, waren die Wilsumer bekanntlich sehr dumm. Einmal wollten sie eine neue Kirche bauen. Dabei vergaßen sie jedoch, die Öffnung für eine Tür freizulassen. Das fanden sie zunächst nicht schlimm, so konnten sie besser ausprobieren, ob die Kirche auch dicht war. Sie füllten tagelang Wasser hinein, bis sie randvoll war.  Leider hatten die Wilsumer Zimmerleute ihr Handwerkszeug in der Kirche vergessen. Also musste einer von ihnen in das Wasser springen, um danach zu tauchen. Er konnte jedoch nicht schwimmen. Er tauchte zwar noch einige Male auf, schlug mit den Armen um sich, aber niemand verstand seine Hilferufe. Als er schließlich nicht mehr auftauchte, gingen die Wilsumer traurig nach Hause.

Einige Tage später kam einer auf die Idee, in die Kirchenwand ein Loch zu schlagen, um das Wasser wieder abzulassen. Jetzt hatten sie zwar ein Loch, durch das man hinein- und hinausgehen konnte, aber niemand erinnerte sich noch an das Ding, mit dem man das Loch verschließen konnte. Schließlich schickte man einen Mann nach Bentheim. Dort hatte man auch eine Kirche gebaut, und er sollte sich erkundigen, wie dieses Ding denn nun hieß. Die Bentheimer erzählten ihm: “Dat Ding, dat is ‘ne Döre.”

Während der brave Mann wieder nach Hause ritt, sagte er sich unterwegs immer wieder den Namen auf: “De Döre, de Döre.” Doch kurz hinter Uelsen stolperte sein Pferd und knickte mit den Vorderbeinen ein. Erschrocken rief er: ”Hop, verdan!” Das Pferd sollte weitergehen. Über den Schreck hatte er leider wieder den Namen des Dings vergessen, das noch in die Kirche eingebaut werden sollte. Er wusste nur noch: ”Hop, verdan!” Und als er endlich in Wilsum ankam, sagte er: " Dat Ding het van ‘Hop’!”

Die Wilsumer konnten mit diesem Wort nichts anfangen. Da erzählte der Mann, dass sein Pferd gestolpert sei und dass er dabei das richtige Wort verloren habe. Sofort zogen viele mit Forken und Stöcken los, um das richtige Wort zu suchen. An der Stelle, an der das Pferd gestolpert war, stocherten sie herum. Dabei stieß einer unglücklicherweise mit einer Mistforke einem anderen auf den Fuß. Der schrie laut  auf: “Dee is d’r döör, dee is d’r döör!”

Da erinnerte sich der Bote plötzlich wieder an das verlorene Wort und die Wilsumer konnten ihre Kirche endlich zu Ende bauen.