Grafschafter Geschichten


Hoi

Auf einem Hof in Esche lebte vor langer Zeit ein rechter Griesgram. Er war unzufrieden mit sich selbst, mit allen Mitmenschen, ja mit der ganzen Welt. Bei schönstem Sonnenschein machte er ein mürrisches Gesicht, nichts war ihm recht zu machen, überall sah er Bedenken und Niedertracht.

Eines Tages wurde er sehr krank. Niemand besuchte ihn, man versorgte ihn nur mit dem Nötigsten. Nachdem der Mann gestorben war,  brachten ihn die Nachbarn am vierten Tag zum Friedhof, doch niemand trauerte um ihn.

Am Morgen nach der Beerdigung standen plötzlich alle Türen und Fenster des Hauses offen, Stühle und Tische waren umgeworfen. Ein bleiches, unheimliches Wesen ging wortlos durch die Räume. Da wurde ein Mönch vom Kloster Frenswegen geholt. Dieser sprach allerlei geheimnisvolle Sprüche und fromme Gebete. Dann erklärte er, der Geist sei nun bereit, den Hof zu verlassen und ins Moor auszuwandern.

Sofort wurde ein Wagen mit vier Pferden angespannt, um ihn weg zu bringen. Dem Knecht, der den Wagen fuhr, wurde eingeschärft, sich auf gar keinen Fall umzudrehen. Doch schon nach kurzer Zeit konnte er seine Neugier nicht mehr bezwingen und er blickte doch kurz hinter sich. Sofort blieb der Wagen stehen. Die Pferde zogen mit aller Kraft, doch sie bewegten den Wagen nicht mehr von der Stelle. Wieder wurde der Mönch geholt. Es gelang ihm mit viel Mühen, den Geist dazu zu bewegen, den Wagen zu verlassen. Doch ins Moor ließ er sich nicht mehr bringen.

Seitdem treibt er sich vor allem an nebligen Abenden auf den Vechtewiesen bei Esche herum. Wütend ruft er dabei immer wieder „Hoi! Hoi!“. Er versucht Kinder in das Wasser der Vechte zu locken, er zerstört die Saat auf den Feldern und treibt allerlei Schabernack bis auf den heutigen Tag.