Grafschafter Geschichten


Die Galgenleiter von Itterbeck

Jan und Harm waren Schäfer. Tagein, tagaus hüteten sie ihre große Herde in den Heidebergen von Itterbeck. Sie redeten meistens wenig. Doch wenn im Dorf einmal gefeiert wurde, erzählten und tranken sie lustig mit. Niemand weiß, wie es passierte. Und  noch weniger, warum es geschah. Doch eines Tages erschien Harm im Dorf beim Bürgermeister und zeigte sich an. Er war völlig verstört. Der Bürgermeister wollte ihm erst nicht glauben, aber Harm klagte sich immer wieder an, er weinte und schrie, er sei schuldig, schuldig, schuldig.

Einige Männer begleiteten ihn. Sie fanden Jan neben einem grauen Schafstall in der Nähe der Itterquelle. Er war tot. Harm behauptete, er haben seinen besten Freund und Gefährten mit einer Schaufel erschlagen. Niemand glaubte ihm zunächst, nicht einmal der Richter. Doch da es keine anderen Beweise gab, Harm sich hingegen als Totschläger bezichtigte, wurde er schließlich verurteilt. Er sollte auf dem Galgenberge an der Straße nach Getelo hingerichtet werden.

Am Tag der Hinrichtung stieg Harm stumm und gefasst die Leiter zum Galgen hinauf, die aus ein paar rohen Kieferstämmchen angefertigt war.  Noch einmal blickte er über die geliebte Heidelandschaft zur untergehenden Sonne hinüber. Wenige Stunden später vergrub man seine Leiche unter einem nahen Ginsterbusch. Der Graf befahl, die Galgenleiter bei dem Bauern sichtbar aufzustellen, bei dem Harm zuletzt gedient hatte. Dies sollte zur Abschreckung geschehen. Doch der Bauer weigerte sich hartnäckig. Noch immer stand ihm das Bild des Unglücklichen vor Augen. Er wollte nicht täglich auch noch die Leiter vor sich sehen. Der Graf gab schließlich nach und die Galgenleiter wurde in einen Straßengraben geworfen, wo sie langsam vermoderte. Doch noch lange danach erzählte man sich in Itterbeck ihre Geschichte.