Die Grafschaft Bentheim im Unterricht


Plattdeutsche Texte

Olle Moses

Ein plattdeutsches Gedicht aus dem Emsland gegen den steigenden Antisemitismus in den 1920er Jahren

Däi olle Moses Jakobsöhn, däi was van däi Bourtange.
Datt was’n Handelsmann, däi kennde mien Vaoder lange.
Häi kek dann immer bi us in, qwam häi dorlanges waien.
Wilm’ mit langen Rock un groten Stock, sine Wangen dön’n noch blaien.

Gauden Dag int Hus, segg Jakobsöhn, wo stäiht nu noch mit Läben?
O danke, danke, et gaiht ja so, man maut taufree wähn äben.
Wo sücht nu dann bi jau noch ut, dorachter in Bourtange?
Och Hinnerk, Hinnerk, et is äin Schreck, mie wött ganz Angst un Bange.

Äin rowen, morden, Hurenpack, et is nich tau begriepen.
Dat schlechte Volk bie Dag und Nacht, däi Lüntkes daut’t ja piepen.
Däi olle Moses was nich schlecht, mit witten Baort un Haore.
Un dat häi loog un lüh bedroog, ick segg, dat is nich waohr.

Ach Hinnerk, ick wüsst uk niks Näies, dat olle alle so lange.
Dann drunk häi watt, un pook in Task, un gaff us Kinner Fiegen.
Dann fraide ick mie unbändiglich, däi döhn wie selten kriegen.

Hellerbernd


Quelle: Nachlass Bernhard Heller (Heimatverein Rhede/Gerd Harpel).
Erklärungen:
Hellerbernd: Der katholische Bildhauer, Schnitzer und Dichter Bernhard Heller (1878-1937) aus Borsum im nördlichen Emsland lebte nach einer künstlerischen Ausbildung in Münster und Berlin in Rhede und Lathen, wo er in selbstgewählter Einsamkeit und Armut für wenig Bezahlung unter dem Künstlernamen „Hellerbernd“ zahlreiche Bildwerke und Skulpturen, vor allem für Kirchen und Kriegerdenkmäler, schuf.
Bourtange: eine niederländische Stadt und alte Grenzfestung an der deutsch-niederländischen Grenze, die dem sich daran entlang ziehenden Moor seinen Namen gab.
Fiegen: Feigen