Die Grafschaft Bentheim im Unterricht


Plattdeutsche Texte

 

Den brunen Schimmel

"Wiehnachtsoavend, dann goah wi noa bowen. ... Dann pingelt de Klocken, dann danzt de Puppen, dann piept de Müs' in Opa sine' Hüs'."

Wu faker hef unse Va disse kläine Geschichte upseggt, soa kott vöar Wiehnachten, s'oabends in ' Tweedunker, wenn he bi uns up de Bank satt un wi met alle Mann üm em to. Ick - as de Kläinste - bi em up de Knee: "O Papa, noch moal, Papa, noch eenmoal." "Wiehnachtsoavend, dann goah wi noa bowen..."

Wat kunn uns' Va dat altied moj upseggen! Alles ut'n Kopp! Fein, dachte ick idermoal. As ick later 'n betken grötter un ock all'n betken klöker was, do dachde ick: Och, dat höart sich ja heel moj an, men - doch nix weärt! Wi goaht ja gar nich noa bowen. Un bowen - doar wunnt' ja ock gar gin Lö, doar is ja bloß unsen Saulder. Un Opa? Opa, de hef ja gar gin Hüse und gin Müse. Papa sull sick men leewer moal wat anners utdäinken.

Men duw wödde ick noch grötter un altied noch grötter und günk in de Frömde, günk rin in't Lewen un - kreeg Heimweh. Nich noa Hus, nee - noa mine Kinndertied, noa de Dage soa kott vöar Wiehnachten.

Un ick dachde weär an Papa sine moje Geschichte: "Wiehnachtsoavend, dann goah wi noa bowen. ..."

Un up eenmoal wüss ick, wat dat hetten sull, - un goaht ock weär trügge, wiet trügge, bis in unse Kinnertied, - un dann höar un seh wi alles weär, wat wi as Kind all moal höart of sehn hebbt, -

"Dann pingelt de Klocken, dann danzt de Puppen, - "

Joa, dat is't, dat sall hetten: Wiehnachten bin wi alle moal weär heel, heel kläin, un wenn't ock men föar'n kotten Settken ist -, alle tehoape, ider Joahr weär. Un - ick glöawe - am meesten un am besten, dee't as Kind men heel kläin un heel eenfach hat hebbt.

Wenn't altied gries und düster is, den heelen Harwst und Winter gries un düster-, dann brannt un schient den kläinen Dannenboam to Wiehnachten ja noch vull mojer, un wenn ock krumm un scheef is un ock men een kläin Lecht hef. Wenn't anners in Hus hoaste gar nicks gif, gin Spöllwark, gin Koken, gin Töög, - dann freut men sick ti Wiehnachten ja noch tienmoal soa dull, ower ider kläine Stück.

Du ick kläin was, - wi wassen met veär Jungs und een Wicht - kreegen wi ider Joahr to Wiehnachten 'ne Döse met Nötten un Appel, un dann noch aaltied een kläin Stück bowenup: 'nen Griffelkasten of 'ne Müsse of'n Paar Hoasen of wat wi net soa bruken kunnen. - Un dann kreege wi lange Joahren noch een Stück, dat günk van' enen up'n annern.

Dat was'n groot, fein höilten Peärd. Dat harre unse Jan moal to Wiehnachten kregen, as Schimmel, fein in Wichs, met'n richtigen Statt und Hoar un stüind up 'ne Planke met Rare. Dree Wecke harre Jan em toreeden, eäst in den Köcken, dann up de Delle un dann vöär't Hus un - dann in'n Graben. Do was't soa wiet: de Oahren droff, Rare droff un' Staat utschöart. Weg met den Schimmel! Up'n Saulder met em!

Dat annere Joahr to Wiehnachten kreeg unse Heine 'n Peärd, hoast net soa eene as Jan et hat harre, men swatt, negerswatt -, sunder Oahren, un den Statt was ut Tüg. - Jan bekeek em van alle Sieden, men - seggen dä he nix. Doar kwamp he ock gar nich to. Heine was all flietig an't Rieden. - Veär Wecke Galopp, do harr hee em ock weär so wiet: Beck upklöawt, een Been of, un den Statt utschöart. - Weg met den Swatten! Up'n Saulder met em!

Dat annere Joahr kreeg unse Gerd 'n Peärd, hoast net soa eene as Heine hat harre, men brun, heel brun - et harre 'n tehoapegebünnen Beck, 'n angenagelt Been un'n Statt ut'n Stück Leär. - Jan un Heine keeken sick an, säen aber nix. - Gerd was ock all wild an't Jagen, van eenen Hock in' annern:

Über Stock und über Steine, aber brich dir nicht die Beine - ! Da dä he ock nich, dee aule Voss, men - he bröck den Hals -, fiev Wecken noa Wiehnachten. Gerd harre wall met em te gauwe üm den Hook willt, - Kopp droff! Un de Voss will sunder Kopp wieder. Gerd will em noch fasteholln, - Statt utschöart! - Nu was't eärst weär moal gebüürt. - Weg met den Voss! Up'n Saulder met em!

Dat nöachste Joahr segg Jan to mi:"Ick weet wall, wat du to Wiehnachten kriggs."

"Nee, dat glöawe ick nich."

"Will wi wetten?"

"Joa, wi willt wetten."

"Woarüm?"

"Och, üm 'nen Appel!"

"Gut, - Hand uphollen!" 

Mama muß döarhauen. See knippoagde mi to, - un Jan verspöilde sine Wette. - Ick kreeg to Wiehnachten gin Peärd, ick kreeg 'n Paar mooie Fusthandschen, ut Schoapewulle, Mama harre se sölws spunnen un bräjt. Un Jan muß sinen besten Appel gewen. He was slim leeg und schöilt up den Wihnachtsmann, dat denn nich moal 'nen aulen Peärekopp weär ansetten kunn.

Men dat kunn de Wiehnachtsmann doch, dat durde bloß ' bettken länger. Et nöachste Joahr Wiehnachten kreeg ick 'nen Schimmel, 'nen schneewitten Schimmel -, he harre bloß 'n paar grote Nagels an' Hals, 'n angeflickt Been un 'nen Statt ut Tau, soa dick as 'nen Dummen.

O, wat was ick geck met den Schimmel! Foart drup, - Zuckeldraff; Hü, hü, hopp! Un ick kiek soa an mi daal un hebb de heelen Knee vull Farwe. - Un ick stieg weär off un - mine Buxe is witt, un minen halwen Schimmel is brun!

Un mine dree groten Bröars - de lacht mi ut. Un Mama kick sick dat Peärd an un see tegen Papa: "Doar hef de Wiehnachsmann wall nich genog Ölli ankregen!" Un Papa lacht und segg: "Joa, de Wiehnachsmann, - misschien harre de wall nich recht meähr wat, - un in't Winter will dat ja ock nich soagauwe dröagen."

Men acht dage later was minen bunten Schimmel doch dröage, un dat Rieden kun weär losgoahn. Un ick hebb d'r noch 'n half Joahr up reeden, - nich kapott te kriegen. Men ant Leste harre ich em ock soa wiet: Twee Beene droff un dat Genick ümdräjt! Bloß den Statt - doar kunn ick nix an maken. Den Statt - den harre Papa d'r soa faste inmakt, - doar kunns du hoaste 'nen Burenhoff an uphangen.

Den aulen Schimmel steht noch altied bi uns up'n Saulder - met 'n Statt ut'n Stück Tau, met annerhalf Beene un sunder Kopp un sunder Hals, - un is doch dat beste Peärd, wat ick mi däinken kann.

Soa eben vöar Wiehnachten - dann bint mine Gedachten altied weär bi em, - un "Wiehnachtsoavend, dann goah wi noa bowen. ... Dann pingelt de Klocken, dann danzt de Puppen, dann piept de Müs' in Opa sine' Hüs'."

Die Geschichte stammt von Rudolf Kinau, die vorliegende Fassung ist von Wilhelm Buddenberg.